Esel und Pferd gemeinsam halten?

Wer glaubt, der Esel sei ein billigeres Beistellpferd, um das man sich nicht kümmern muss, der irrt sich gewaltig. 
Die Kombination Esel und Pferd ist nur etwas für Eselfans, die den zusätzlichen Aufwand für den Esel in Kauf nehmen.

Pferd und Esel haben zwar Gemeinsamkeiten (beide stammen aus der Equidenfamilie, sie sind Einhufer, beide hören und riechen extrem gut, sie sind Gras- und Blattfresser, das heißt, sie brauchen viel Zeit zur Nahrungsaufnahme und fressen stetig in winzigen Portionen, sozusagen hälmchenrupfend), aber die Unterschiede sind nicht zu unterschätzen. 

- Das Pferd ist ein extremes Fluchttier, der Esel eher ein „maßvolles“ Fluchttier. Und nicht nur das: anders als das Pferd ist der Esel äußerst wehrhaft. Er muss das sein, weil ihm die Schnelligkeit, die beste „Waffe“ des Pferdes, fehlt.
- Wenn ein Esel eine Gefahr wittert, wird er im Gegensatz zum Pferd erst einmal versuchen herauszubekommen, wie ernst die Angelegenheit wirklich ist. Das heißt, er verharrt viel länger beobachtend als das Pferd und entschließt sich mangels schneller Fluchtmöglichkeit (er ist nun mal nicht so schnell wie ein Pferd) oft genug zum Angriff auf den Feind. Esel können sehr gezielt treten! 
- die Hufe sind von unterschiedlicher Konsistenz. In extrem trockenen Sommern, wenn man bei Pferden von so genannten „eingezogenen Weidehufen“ spricht, die viel zu trocken sind, sind Eselhufe fantastisch. Dann haben sie eine Festigkeit, die Hufpfleger/Hufschmiede verzweifeln lässt. Nicht das kleinste Steinchen dringt in die Hufe ein. In „normalen“ Sommern, in unseren Breitengraden mit Regen und morgendlicher Feuchtigkeit auf der Weide, hingegen neigen Esel zu allzu weichen Hufen und damit zu eingetretenen Steinchen und Hufgeschwüren.
- Ein weiterer Unterschied ist die absolute Futterleichtigkeit der Esel; die Gestaltung einer gemeinsamen Fütterung ist ein wirkliches Problem. Esel sind Tiere des kargen, trockenen Bodens und gehören eigentlich nicht auf unsere fruchtbaren Weiden. Vielfach haben sie Gewichtsprobleme und kämpfen dadurch mit allen damit zusammenhängenden Krankheiten wie Stoffwechselprobleme, Hufrehe, etc. Esel haben überhaupt keine Fressbremse. Würde man es zulassen, würden sie Tag und Nacht fressen. 
- Kraftfutter ist für Esel tabu, und zwar strikt! Das Heu sollte spät im Jahr geschnitten und möglichst hart sein. Überhaupt bevorzugen Esel harte Kost. Überjähriges Gras, das Pferde stehen lassen, wird von Eseln gern gefressen. Weil die Fressbremse nicht funktioniert, bedeutet das, dass man Esel weniger Zeit auf der Weide lassen kann als Pferde, und beide in Zeiten der Zufütterung getrennt gefüttert werden müssen. Für Esel gehört außerdem Holz in Form von Ästen oder kleinen Stämmen zum normalen Futter dazu.
- Esel können wachen und beschützen. Der natürliche Feind des Esels ist der Wolf. Wölfe gibt es bei uns aber erst wieder vereinzelt. Im Urgedächtnis der Esel existieren sie jedoch noch. Der Nachfolger des Wolfes ist der Hund. Es ist deshalb logisch, dass die meisten Esel Hundehasser sind.
- Pferde ertragen selbst Dauerregen mit stoischer Gelassenheit. Dank des Fettes im Fell taugt ihr Haarkleid als komfortabler Regenmantel. Könnten Grautiere wählen, würde bestimmt die Mehrheit es bevorzugen, sich bei den ersten Regentropfen sofort in den Unterstandoder Stall zu verkriechen. Wenn ein Esel mit einem Pferd die Weide teilt, bleibt er bei seinem Weidekumpel und verzichtet auf den Stall. Mangels Fett im Fell ist er bald patschnass und friert. Eine Lungenentzündung kann die Folge sein!  

Ein Esel kann ein zweites Pferd ersetzen, aber die beiden Tierarten haben verschiedene Bedürfnisse. 
Esel sind gute Gefährten für Pferde. Für ein einsames Pferd sind sie besser geeignet als ein Schaf oder eine Ziege. 
Dennoch darf man sich nicht darin täuschen, dass der beste Gefährte für einen Esel doch ein Esel und für ein Pferd eben doch ein Pferd ist. 
Die „Sprachschwierigkeiten“ sind etwa so wie zwischen einem Sachsen und einem Bayern - irgendwann verstehen sie sich, aber die Leichtigkeit der Kommunikation fehlt. 

Erfahren Sie unter http://www.noteselhilfe.org/ noch viele interessante Dinge rund um den Esel, Mulis und Maultiere.

Tags: Freunde, Haltung
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