Frischfleisch - Herkunftsangabe ja oder nein!?

Meldung im Oktober 2012: Ab Dezember 2014 muss Schweinefleisch möglicherweise mit einer Herkunftsangabe versehen werden.
 
 In der Branche ist diese Kennzeichnung jedoch umstritten, wie die Lebensmittelzeitung berichtet. Rainer Weidmann, Geschäftsführer des Verbands der Fleischwirtschaft (VdF), bezeichnet den Zwang zur Herkunftskennzeichnung als grob rechtswidrig. Laut seiner Aussage diene er der Ausgrenzung und widerspreche damit dem Binnenmarktprinzip. Er will deshalb alle Hebel in Bewegung setzen, diese "diskriminierende Regelung" doch noch zu verhindern. Und auch für den Europäischen Fleischdachverband UECBV und dessen Lebensmittelrechtsausschuss kann es nur eine Deklaration für Schweinefleisch aus der Gemeinschaft geben: die Angabe "EU".
 
 Dennoch gibt es unter den EU-Mitgliedstaaten treibende Kräfte, die auf eine differenzierende Kennzeichnung nach Ländern drängen. Französischen Agrarpolitikern etwa ist günstige Importware aus Deutschland ein Dorn im Auge. Eine Herkunftskennzeichnung könnte französische Verbraucher disziplinieren helfen, so die Hoffnung. Auch der Freistaat Bayern soll dem Vernehmen nach mit der Angabe "Herkunft Bayern" für regional orientierte Verbraucher liebäugeln.
 
 Nun die Meldung im März 2013: Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für frisches Fleisch von Schweinen, Geflügel, Schafen und Ziegen würde vor allem für Zerlegebetriebe zusätzliche Kosten verursachen. Zu dieser Einschätzung gelangen Forscher der Universität Wageningen in einer ersten Bewertung der für die zweite Jahreshälfte erwarteten Vorschläge für entsprechende EU-Regeln. Der Aufwand sei umso höher, je detaillierter die Kennzeichnungspflicht am Ende ausfalle. Die geringsten Kosten würde eine einfache Angabe „EU/Nicht-EU“ verursachen. Am teuersten wäre die Übertragung des Rindfleischkennzeichnungssystems auf andere Fleischarten, also die Angabe, in welchem Land das Tier geboren, gemästet und geschlachtet wurde. Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich Teillösungen, bei denen beispielsweise nur das Land der Aufzucht oder des Schlachtens genannt würden.
 
 Die Forscher weisen darauf hin, dass eine Herkunftskennzeichnung den reibungslosen Ablauf des Binnenmarkts nicht befördern würde. Wahrscheinlicher sei eine stärkere Marktteilung. Obwohl Verbraucher an der Herkunftskennzeichnung interessiert seien, brächten sie dies nicht mit höheren Kosten in Verbindung und seien deshalb auch nicht bereit, dafür einen deutlichen Aufpreis zu zahlen. Andererseits könne durch mehr Transparenz das Verbrauchervertrauen gestärkt werden. Für manche Unternehmen stelle die Kennzeichnung außerdem ein Marketinginstrument dar.
 
 Die Kommission bestätigt in der Mitteilung, dass sie gehalten ist, bis Mitte Dezember 2013 Durchführungsregeln für die Fleischkennzeichnung anzunehmen; sie wären ab Mitte Dezember 2014 anwendbar. Zuvor soll eine ausführliche Folgenabschätzung vorgelegt werden. Hintergrund ist die 2011 verabschiedete EU-Verordnung zur Lebensmittelkennzeichnung.

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